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Tuesday, 11 September 2007

Glencore-Geschäftsgebaren u.a. in Kolumbien - http://www.trend.drs.ch

Der heutige Radio-Tipp -- Radio DRS 1: «Trend - Das Wirtschaftsmagazin»

(Un-)heimliche Glencore AG


[Trend, 08. September 2007, 08.30-08.45 h, DRS 1]

Online Aufhänger:

Was unter Marc Rich als Rohstoffhändler begann, hat sich unter der Firmenbezeichnung «Glencore» zum weitaus grössten Schweizer Unternehmen mit Niederlassungen auf allen Kontinenten entwickelt. «Glencore» ist der verschwiegenste unter allen europäischen Grosskonzernen. Wenn der Rohstoffmulti dennoch von sich reden macht, dann wegen Streiks, Entlassungen oder Verstaatlichungen in Lateinamerika.

«Trend» berichtet über den auf Diskretion bedachten Rohstoffgiganten aus Baar bei Zug.
[Eine Sendung von] Rainer Borer

***
SENDUNG [Transkript: Margaret Powell]

"Nuestra respuesta es, primero queremos saber quién es Glencore" – "Zuerst möchten wir wissen, wer ist Glencore?" In Bolivien wurde eine Glencore-Mine verstaatlicht. Über Entschädigungen sprechen will der Bolivianische Handelsbeauftragte Pablo Solón jedoch erst, wenn er weiss, wer hinter der in Baar bei Zug domizilierten Rohstoffgesellschaft steckt, dem notabene vom Umsatz her grössten Unternehmen der Schweiz. In der Zentrale des verschlossenen Rohstoffhändlers und Minenbesitzers in Baar stellt man sich taub; Interviews gibt man nicht. – Glencore und die heimlichen – oder vielleicht gar unheimlichen? – Geschäfte: Thema heute im Trend. Am Mikrophon: Rainer Borer.

Glencore International ist der grösste unter den Schweizer Konzernen. Der Rohstoffmulti übertrifft umsatzmässig bei weitem sogar den Nahrungsmittelgiganten Nestlé, und mit Riesenschritten weiten die Baarer Rohstoffähndler ihr Imperium aus. In nur zwei Jahren haben sie ihren Umsatz verdoppelt. Und das ist schon fast alles, was der geheimnisumwitterte Konzern Glencore der Öffentlichkeit preisgibt.
Markus Mugglin hat sich auf Spurensuche gemacht und stellte fest, dass Glencore auf der ganzen Welt mehr von sich reden macht, als dem Unternehmen recht sein kann.

Markus Mugglin:
Das Deutsche Managermagazin publizierte im Frühjahr sein neuestes Good Company Ranking über die 120 grössten Konzerne Europas. Die Rangliste bewertet, wie rentabel, sozial und zugleich umweltbewusst die Unternehmen sind. Renommierte Konzerne schmücken die ersten Plätze: das Pharmaunternehmen BASF, der deutsche Waschmittel- und Kosmetikkonzern Henkel und die britische Anglo-American.
Die Grossbank UBS folgt als erstes Schweizer Unternehmen an sechster Stelle. Ins vorderste Drittel der geprüften Unternehmen bringen es auch Roche und Nestlé. Ganz am Schluss der Good Company Rangliste steht Glencore. Der Rohstoffmulti aus Baar bei Zug erhielt von allen 120 die schlechtesten Zensuren. Von maximal 100 Punkten schafft Glencore gerade mal 1,5 – noch deutlich weniger als Aldi und Lidl, die unmittelbar davor rangieren.
Klaus-Rainer Kirchhoff von der gleichnamigen Consulting-Firma, der die Untersuchung zusammen mit dem Beratungsunternehmen Deloitte im Auftrag des Manager-Magazins durchführte, begründet, weshalb Glencore schlechter als alle anderen abschneidet:
KRK am Telefon: "Wir haben für die Auswertung und Bewertung der Unternehmen alle verfügbaren Quellen herangezogen und zusätzlich die Unternehmen angeschrieben und darum gebeten, dass sie uns darüber hinausgehend Material zur Verfügung stellen. Wir haben von Glencore nichts erhalten, und das was in der Öffentlichkeit zugänglich ist, ist völlig aussagelos. … Wir haben deshalb zu den entscheidenden Fragen und Kriterien keine Informationen gefunden. Das ist der Grund, weshalb das Unternehmen ganz unten gelandet ist. …"
Abgeschlagen auf Platz 120. Wie reagiert man in der Glencore-Zentrale auf das vernichtende Urteil? Darüber hätten wir gerne mit den Verantwortlichen in Baar gesprochen. Doch zum Gespräch kam es nicht. Glencore teilte lediglich per Mail mit: "Glencore ist ein privat gehaltenes Unternehmen und nicht verpflichtet, öffentlich Bericht zu erstatten."
Klaus-Rainer Kirchhoff lässt diesen Grund nicht gelten: Viele andere, nicht an der Börse kotierte Unternehmen gäben Einblick in ihr Geschäftsgebaren und sähen ein, dass sie unabhängig von ihrer Rechtsform und Eigentumsverhältnissen gegenüber der Öffentlichkeit rechenschaftspflichtig seien:
KRK: "Ein Unternehmen, was so bedeutsam ist, was indirekt und direkt über 50'000 Menschen beschäftigt, hat einfach auch eine Verantwortung, Transparenz zu schaffen, Vertrauen zu schaffen, Akzeptanz zu schaffen, und dem kommt dieses Unternehmen überhaupt nicht nach."

Glencore war lange Zeit nur Rohstoffhändler. Seit ein paar Jahren investiert das Unternehmen aber massiv in die Rohstoffproduktion. Es produziert Rohöl und Kohle und baut Kupfer, Zink, Nickel und weitere Metalle ab. Das aus dem Steuerparadies Zug dirigierte Unternehmen hält Beteiligungen auf allen Kontinenten, ist in einem Dutzend Länder präsent und beschäftigt weltweit 50'000 Personen, allein in Kasachstan 20'000. In Südamerika und Afrika stehen je rund 10'000 im Solde des Rohstoffmultis.
Doch die Expansion ins Minengeschäft bringt Glencore wiederholt in Konflikt mit Einheimischen – in Bolivien zu Beginn des Jahres gar mit der Regierung. Boliviens Präsident Evo Morales nationalisierte per Dekret das Erzschmelzwerk von Glencore – offizielle Begründung: Glencore habe das Werk nicht rechtmässig erworben. Das Zuger Unternehmen bestreitet das und fordert, nach der Enteignung zumindest entschädigt zu werden. Bolivien will nicht darauf eintreten. Man wolle klären, unter welchen Umständen Glencore das Schmelzwerk gekauft habe, bevor über eine Kompensation verhandelt werde, gibt der Handelsbeauftragte der bolivianischen Regierung, Pablo Solón, zu verstehen:
PS: "Antes de hablar de cualquier indemnización, primero tenemos que esclarecer la verdad. Porque no puede haber indemnización sobre la base de hechos absolutamente obscuros."
Und eine Kompensation könne es nur geben, sofern der Kauf der Mine rechtmässig erfolgt sei.

Nicht nur in Bolivien, auch anderswo kam es in Niederlassungen von Glencore und des Rohstoffkonzerns Xstrata, an der Glencore ein Drittel hält, zu Konflikten: In Peru, in Argentinien, in Sambia, und vor allem in Kolumbien. Mal waren es Arbeitskonflikte mit Entlassungen und Streiks, andere Male gab es Streit mit der lokalen Bevölkerung.
Stephan Suhner von der Arbeitsgruppe Kolumbien-Schweiz [sic, sollte eigentlich Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien heissen] hielt sich während eines Monats im Norden von Kolumbien auf, wo er in La Jagua Zeuge eines Arbeitskonflikts in der von Glencore kontrollierten Kohlemine wurde:
StS: "Am Tag als wir in Kolumbien angekommen sind, hat eine Tochterfirma von Glencore 117 Arbeiter entlassen. Das waren Arbeiter einer Temporärfirma. Deren Vertrag wurde von einem Tag auf den andern aufgekündigt ohne Angabe von genauen Gründen. Die entlassenen Arbeiter haben dann einerseits die Zugänge zur Mine blockiert, andererseits haben 30 Arbeiter innerhalb der Mine protestiert."
Der Konflikt eskalierte, kolumbianische Sicherheitskräfte gingen gewaltsam vor, Menschen wurden verletzt. Schliesslich hat das Unternehmen einen Teil der Belegschaft wieder eingestellt. Über das Schicksal der übrigen Arbeiter wird noch verhandelt.

Stephan Suhner reiste als Mitglied einer internationalen Delegation nach Kolumbien, die sich für die Rechte indigener Einwohner und für menschenwürdige Arbeitsbedingungen in den Minen einsetzt. Seit Jahren engagieren sich Nichtregierungsorganisationen aus mehreren Ländern dafür, und legen dabei ein besonderes Augenmerk auf das Verhalten der multinationalen Konzerne aus den USA, aus Australien, und auch von Glencore. Der Schweizer Multi ist in Kolumbien vor 11 Jahren ins Bergbaugeschäft eingestiegen:
SS: "Glencore hat 1996 ein Handelsunternehmen aufgekauft, das auch Beteiligungen an Kohlenminen hatte, war dann während mehreren Jahren beteiligt an der grössten offenen Kohlenmine im Norden Kolumbiens, in El Cerrejón, und hat 2004 begonnen, vier weitere kleinere Kohlenminen im Nachbardepartement aufzukaufen und ist jetzt … im Kohlensektor relativ gut positioniert."

Der Aufstieg von Glencore zum wichtigen Kohleproduzenten war begleitet von Konflikten. Dorfgemeinschaften wurden vertrieben und zerstört. Es wurden zwar Entschädigungen angeboten, doch sie reichten meist nicht aus, eine neue Existenz aufzubauen. Eingeborene wehrten sich, wollten nicht weichen, wurden gewaltsam vertrieben, es gab Verletzte und gar Tote. Und noch mehr Ungemach droht, denn Kolumbien will in Kürze zum weltweit drittwichtigsten Kohleanbieter aufsteigen. Der Begbau wird noch mehr Böden beanspruchen. Für das Land bedeutet das hohe Deviseneinnahmen, weshalb ausländische Investoren hoch willkommen sind.

Der lokalen Bevölkerung bringt der Kohleboom allerdings wenig, hat Stephan Suhner bei seinem jüngsten Aufenthalt in der Bergbauregion erneut feststellen müssen:
SS: "Das Dorf, wo Glencore die Mine betreibt, ist etwa das zweit- oder drittreichste Dorf Kolumbiens, nur sieht man davon nichts. Das Dorf ist so arm wie jedes andere Dorf in Kolumbien: kein Trinkwasser, der Strom geht immer wieder weg, die Kindersterblichkeit ist enorm hoch, Umweltbelastung – es sind Dörfer, die mitten im Reichtum existieren, aber selber total arm sind und [wo] die Korruption eigentlich alle Gelder wegfrisst."

Da verwundert es nicht, dass die lokale Bevölkerung und die Mineure unzufrieden sind, immer wieder aufbegehren und versuchen, Bergbaukonzerne wie Glencore unter Druck zu setzen. Doch die Arbeiter und ihre Gewerkschaften haben das gleiche Problem mit Glencore wie Journalisten oder Unternehmensberater, die mehr über die Geschäftspolitik des Rohstoffunternehmens wissen möchten. Das hat Stephan Suhner bei seinem jüngsten Aufenthalt in Kolumbien erneut erfahren:
SS: "Die Arbeiter beschweren sich darüber, dass sie mit Glencore selbst noch gar nie gesprochen haben, dass Glencore für sie kein Gesicht hat. Aber man weiss natürlich, dass Marc Rich einer der Gründer war, und sie haben ein relativ schlechtes Bild von Glencore, ohne die Firma wirklich zu kennen."

Stephan Suhner ist einer der wenigen Aussenstehenden, dem vergönnt war, mit Glencore-Verantwortlichen reden zu können. Er hat in Kolumbien lange um ein Gespräch gebeten – vergeblich, hat er bereits gedacht. Doch am Tag vor seiner Abreise wurde er doch noch empfangen:
SS: "Ich war darüber sehr überrascht. Ich hatte es nicht erwartet. Die beiden Personen haben sehr betont, dass sie neu in der Region sind, dass sie die Sachen besser machen wollen. Sie haben versprochen, mehr Leute direkt einzustellen, zu besseren Bedingungen. Sie wollen soziale Institutionen fördern in der Region. Also in dem Sinn, wenn man sie mal beim Wort nehmen möchte, sehr positiv."
Doch ob es mehr als nur Versprechen sind, wird sich weisen. Stephan Suhner hofft es, bleibt aber skeptisch. Er wird jedenfalls genau beobachten, wie es weitergeht – als Sekretär der Arbeitsgruppe Kolumbien-Schweiz [sic] und zusammen mit NROs aus den USA und anderen Ländern. Und bricht in Kolumbien der Streit wieder aus, werden sie wieder protestieren und öffentlich Druck machen und versuchen, den Arbeitern Rückhalt zu geben.

Doch zurück in die Schweiz: Hier, in der Glencore-Zentrale in Baar, gelten wieder die bekannten Verhaltensregeln. Dem Journalisten war es nicht vergönnt, mit Glencore-Vertretern zu reden. Per Mail wurde ihm nur beschieden: "Nach unserer Meinung haben die Unternehmen die Verantwortung, richtig zu handeln, anstatt über Verantwortung zu berichten."

Das befriedigt nicht nur den Berichterstatter nicht. Auch Klaus-Rainer Kirchhoff von der Kirchhoff-Consulting erwartete mehr von einem bedeutenden Rohstoffkonzern, wie Glencore einer ist:
KRK: "Was den Umgang mit den Mitarbeitern angeht, was die Wahrnehmung von gesellschaftlicher Verantwortung angeht, was den Bereich Umwelt angeht, da ist es eigentlich relativ egal, ob ein Unternehmen an der Börse ist oder nicht. Es hat darüber Rechenschaft abzulegen, und es hat da auch Verantwortung zu übernehmen."
Doch, ob der Appell in der Zentrale gehört wird? Man wird es sehen, wenn sich Klaus-Rainer Kirchhoff zusammen mit seinen prominenten Juri-Mitgliedern, wie dem langjährigen ehemaligen Nestlé-Chef Helmut Maucher und dem ehemaligen Chef des UNO-Umweltprogramms, Klaus Töpfer, daran macht, sein nächstes Good Company Ranking zu erstellen.

Man kann gespannt sein, ob Glencore auch dann wieder, weniger als alle anderen Grosskonzerne Europas, in seine Geschäftsbücher und Praktiken blicken lässt.

Absage: Der heimliche Rohstoffriese Glencore und sein unheimliches Geschäftsgebaren – das war der Beitrag von Markus Mugglin.
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Zur Zeit zu hören auf http://www.trend.drs.ch

Wednesday, 24 January 2007

Glencore/Xstrata Kolumbien: Die Gewerkschaft SINTRACARBON ersucht um dringende Unterstützung

Liebe Leute
Soeben habe ich folgenden Aufruf erhalten:


"Liebe KolumbienfreundInnen
Die Verhandlungen über einen neuen Gesamtarbeitsvertrag in der Kohlenmine El Cerrejón, die zu einem Drittel dem Schweizer Bergbaukonzern Xstrata aus Zug gehört, scheinen vor dem definitiven Scheitern zu stehen. Im Anhang findet ihr ein Up-Date zur aktuellen Lage sowie einen Musterbrief mit deutscher Kurzübersetzung. Ich bitte euch, den Brief wenn möglich noch heute an die angegebenen Adressen zu mailen oder faxen. Ihr müsst nur noch oben den Ort und unten euren Namen/Institution eintragen.
Vielen Dank für eure Unterstützung, auch im Namen der Gewerkschaft und der Gemeinschaften

Arbeitsgruppe Schweiz Kolumbien

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Musterbrief auf spanisch (deutsche Kurzfassung am Schluss, gefolgt von aktualisierter Lagebeschreibung):


AbsenderIn, Ort, 23 de enero de 2007

Señor León Teicher
Carbones del Cerrejón LLC
leon.teicher@cerrejoncoal.com


Estimado señor Teicher

Me dirijo a usted para expresar mi preocupación por la situación de los miembros del Sindicato SINTRACARBON y los trabajadores de la Mina El Cerrejón, asó como de las comunidades afectadas por la mina como lo son los desplazados de Tabaco y Manantial y las comunidades de Tamaquita, Roche, Patilla y Los Remedios.

Conozco de la situación de aislamiento, contaminación y destrucción del territorio de los habitantes de las mencionadas comunidades así como de las dificiles condiciones de trabajo en la mina. He sido informado del avance lento de las negociaciones entre la Comisión negociadora de Carbones del Cerrejón LLC y SINTRACARBON sobre el pliego de peticiones para una nueva convención colectiva.

Me preocupa enormemente que en más de treinta días de negociaciones no se haya llegado a ningún acuerdo sobre el pliego de peticiones presentado por SINTRACARBON. SINTRACARBON me ha informado de la posición bastante cerrada que ha mostrado la empresa durante la negociación y de la falta de voluntad para llegar a acuerdos. Estoy muy consciente de la dificil situación económica de los trabajadores ante el continuo aumento de gastos para salud, educación de los hijos etc., y que la frecuente iliquidez de las familias trabajadoras ha llevado a más de una familia a situaciones emocionales difíciles. Igualmente estoy muy preocupado por la negativa de la empresa de discutir puntos importantes del petitorio como la suerte de los trabajadores contratistas y la solicitud de las comunidades aledañas afectadas por la mina de poder realizar negociaciones colectivas sobre su reubicación integral y recompensas justas.

He sido informado que la semana pasada los afiliados del Sindicato han votado masivamente por la huelga que debería iniciarse de aquí al final del mes de enero de este año. Reconozco la decisión del Sindicato de recurrir a la huelga como mecanismo de presión legal para buscar una solución satisfactoria a su petitorio. Pero a la vez estoy muy preocupado, ya que la huelga puede aumentar los riesgos para los directivos sindicales. Conozco de la crítica situación de seguridad de los líderes sindicales y sociales de la región a raíz de amenazas de muerte proferidos por un grupo paramilitar denominado Las Aguilas Negras. Temo que la huelga pueda empeorar la dificil situación de seguridad de los directivos sindicales.

Por un breve momento parecía que una solución iba a ser posible, ya que el equipo negociador de la empresa había modificado su posición y accedió a abordar el día 22 de enero de 2007 el tema de las comunidades. Sin embargo, de nuevo recibí informaciones según las cuales las negociaciones una vez más no prosperaron ya que su empresa hubiera mostrado un actitud de intransigencia y total falta de voluntad para llegar a acuerdos. Es así que el sindicato SINTRACARBON se retiró de la mesa de negociación y que la huelga parece inevitable.

Sin embargo, le pido a usted y al equipo negociador de Carbones del Cerrejón hacer todo lo posible para llegar a un acuerdo con SINTRACARBON y las Comunidades afectadas por la mina. Respaldo claramente el pliego y la decisión de SINTRACARBON de acudir a la huelga y a las demandas de las Comunidades por negociaciones colectivas y recompensas justas. Además, le pido que haga todo lo posible para garantizar la seguridad de todos los trabajadores, de los líderes sindicales y de las comunidades, y que ante la declaración de la huelga se abstenga de recurrir a medidas de fuerza y de represión.

Confiando en su buena voluntad, mantengo la esperanza de que una solución amistosa sea todavía posible esta semana y que no sea necesario recurrir a la huelga que tendría efectos negativos para todo el mundo.

De su consideración

(Deine/Ihre Unterschrift)

Copias a:

• Señor Andrés Soto, Carbones del Cerrejón LLC, andres.soto@cerrejoncoal.com
• Señor Marc Gonsalves, Fax. +44 20 7968 2810, mgonsalves@xstrata.com
• Señora Claire Divver, cdivver@xstrata.com
• Señora Brigitte Mattenberger, Bahnhofstrasse 2, Postfach 102, 6301 Zug,
Fax: +41 41 726 60 89 bmattenberger@xstrata.com
• SINTRACARBON, jdeluquez@hotmail.com ; flozan1@yahoo.com; jquiroz11@gmail.com


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Kurzübersetzung des oben stehenden Briefes:
(...)
Ich habe Kenntnis von der schwierigen Situation der Gewerkschaft SINTRACARBON, der Arbeiter der Kohlenmine El Cerrejón und der Bewohner der umliegenden Dörfer. Ich wurde über die Kollektivverhandlungen sehr genau informiert und bin über die erhaltenen Informationen beunruhigt:
Die Verhandlungen verliefen sehr schleppend, und das Unternehmen scheint wenig Interesse gezeigt zu haben, zu einer Einigung zu kommen. So habe sich die Firma geweigert, über gewisse Punkte des Forderungskataloges überhaupt zu verhandeln, so z.B. über die Krankenversicherung der Arbeiter, über die Situation der Temporärarbeiter sowie über das Schicksal der umliegenden afrokolumbianischen und indigenen Gemeinschaften. Diese Weigerung erfüllt mich mit Sorge.
Ebenso wurde ich darüber informiert, dass die Gewerkschaftsmitglieder massiv für den Streik stimmten, nachdem der Verhandlungsrahmen erfolglos ausgeschöpft worden war. Ich anerkenne die Entscheidung der Gewerkschaft, zum legalen Mittel des Streiks zu greifen, bin aber gleichzeitig über die Sicherheitslage der Gewerkschafter und Anwohner besorgt, da schon im Dezember verschiedene Todeslisten zirkulierten. Ebenso habe ich aber erfahren, dass der internationale Druck und der Streikbeschluss Wirkung gezeigt hatte und sich die Firma zum ersten Mal bereit erklärte, über die Anliegen der Gemeinschaften zu verhandeln.
Leider hat auch dieser neue Verhandlungsversuch zu keiner Einigung geführt; die Gewerkschaft denunzierte die Unnachgiebigkeit des Verhandlungsteams der Firma und verliess die Verhandlungen. Trotzdem gelange ich nochmals mit dem Aufruf an Sie, alles in Ihrer Macht stehende zu tun, um eine einvernehmliche Lösung zu ermöglichen und den Streik doch noch abzuwenden.
(...)
***


Aktualisierte Lagebeschreibung (23.1.07)

Die Gesamtarbeitsvertragsverhandlungen bei Carbones del Cerrejón stehen vor dem endgültigen Scheitern, ein Streik scheint unausweichlich

In den vergangenen gut zwei Wochen wurde zwischen der Gewerkschaft SINTRACARBON und der Verhandlungsequipe des Unternehmens Carbones del Cerrejón LLC weiter verhandelt, ohne dass es zu einer Einigung gekommen wäre. Die Gewerkschaft hat angesichts der Unnachgiebigkeit und des mangelnden Verhandlungswillens des Unternehmens versucht, den Druck zu erhöhen.

So kam es am 11. Januar 2007 zu Protesten der Gewerkschaft SINTRACARBON in Riohacha, der Hauptstadt des Departaments Guajira, um gegen den mangelnden Verhandlungswillen der Minengesellschaft zu protestieren. SINTRACARBON wurde dabei vom Gewerkschaftsdachverband CUT Sektion Guajira und Bewohnern der Gemeinschaften der von der Mine betroffenen Dörfer Roche, Patilla, Provincial etc. und den Vertriebenen von Tabaco unterstützt. Auch in Barranquilla und anderen Orten kam es zu Protestaktionen.

Am 12. Januar 2007 führte SINTRACARBON auch eine grosse Pressekonferenz durch, an der sie den Verlauf der Verhandlungen erklärte und ihren Willen bekräftigte, notfalls einen Streik durchzuführen, wenn es nicht noch zu einer umfassenden Einigung komme.

Derweil wurde intensiv weiter verhandelt: Am 11. Januar wurde von SINTRACARBON ein Verhandlungsvorschlag der Firma diskutiert. Die Verhandlungen gingen am Nachmittag weiter, wobei die Gewerkschaft erneut Gegenvorschläge präsentierte. Am 12. Januar nachmittags erwartete die Gewerkschaft eine umfassende Antwort mit Vorschlägen der Firma, die jedoch nicht eintraf.

Obwohl es in gewissen Punkten zu einer Annäherung gekommen war (z.B. über Anzahl und Höhe der Darlehen an die Arbeiter, über Prämien für die Arbeiter etc.), blieben die Unterschiede in anderen Bereichen sehr gross oder weigerte sich das Unternehmen sogar, diese zu diskutieren. Nicht verhandelt wurde beispielsweise über die Gesundheitsversorgung der Arbeiter und über Stipendien für Universitätsstudium der Arbeiterkinder. Ebenso weigerte sich die Firma, über eine Verbesserung des Status der temporären Vertragsarbeiter und über die Situation der Gemeinschaften zu sprechen.

SINTRACARBON hält daran fest, dass diese Gemeinschaften ein Recht auf kollektive Verhandlungen und auf faire Entschädigungen haben.

Da die offizielle Verhandlungsfrist inklusive Verlängerung am 12. Januar endete, ohne dass eine Einigung erzielt worden wäre, führte die Gewerkschaft vom 15. bis 20. Januar 2007 an ihrer Basis eine Abstimmung über den Streik durch. Die grosse Mehrheit der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter stimmten für den Streik. Schliesslich einigten sich Gewerkschaft und Unternehmen, trotz abgelaufener Verhandlungsfrist weiter zu diskutieren. Im Vordergrund stand eine Lösung für einen Zweijahres–GAV anstatt des ursprünglich von SINTRACARBON angestrebten Dreijahresvertrages. Am 17. Januar wurden dazu von beiden Seiten neue Vorschläge unterbreitet, und am 18. Januar wurde intensiv über die folgenden Themen verhandelt: Löhne, Krankenversicherungen, Ausbildungszuschüsse, Transportzuschüsse, temporäre Vertragsarbeiten und Gemeinschaften. Wieder konnte jedoch kein Durchbruch erzielt werden.

Am 19. und 20. Januar gingen die Verhandlungen weiter, während je ein Vertreter der Gewerkschaft und der Gemeinschaften in Bogotá an einem Hearing im Senat zur Bergbauproblematik teilnahmen. Zudem kam es in Bogotá zu einem internationalen Treffen, an dem auch die ILO (Int. Labour Organisation) und Vertreter von Anglo American teilnahmen. Zudem wurde bei den Abstimmungen vom 15. bis zum 20. Januar mit überwältigender Mehrheit beschlossen, einen Streik durchzuführen. 98% der Gewerkschaftsmitglieder entschieden sich für den Streik, 76% der Stimmberechtigen nahmen an der Abstimmung teil. SINTRACARBON hat nun zehn Tage Zeit, um den Streikbeginn auszurufen. In dieser Zeit kann aber noch weiter verhandelt werden.

International haben die Gewerkschaft und die Gemeinschaften grosse Unterstützung aus den USA, Grossbritannien, Kanada und der Schweiz. All dies hat dazu geführt, dass das Unternehmen Carbones del Cerrejón seine Position vorübergehend etwas aufgeweicht hatte und bereit war, am Montag 22. Januar 2007 erstmals das Thema „Gemeinschaften“ zu diskutieren. Eder Arregoces sollte die Gemeinschaften in diesen Verhandlungen vertreten. Für kurze Zeit kam also Hoffnung auf, dass ein Durchbruch in den Verhandlungen doch noch möglich sei.

Am Abend des 22. Januar 2007 verkündete SINTRACARBON jedoch, dass die Firma einmal mehr keine Bereitschaft gezeigt habe, seriös zu verhandeln. SINTRACARBON hat sich daraufhin von der Verhandlung zurück gezogen; der beschlossene Streik scheint unausweichlich.

SINTRACARBON mobilisiert nun nochmals seine internationalen Unterstützungsnetze und versucht, mit verschiedenen Mobilisierungen und Briefaktionen doch noch eine Einigung zu erzielen.


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Danke herzlich für Deine/Ihre Unterstützung.