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Monday, 15 September 2008

Eilaktion Kolumbien: Menschenrechtsverletzungen gegen Arbeiter in Zuckerrohrplantagen

Meine Liebe, mein Lieber

Gerne leite ich eine Eilaktion der ask! – Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien – weiter. Danke fürs Lesen und Schreiben; ich kann Dir/Ihnen gerne den Protestbrief mailen. Einfach Kommentar mit e-Mail-Adresse hinterlassen; ich werde die Adresse nicht veröffentlichen.

Danke!


****
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolumbieninteressierte

In den letzten Monaten haben die Arbeiter der Zuckerrohrindustrie begonnen, sich besser zu organisieren und die unhaltbaren Arbeitsbedingungen anzuklagen. Die Ausbeutung ihrer Arbeitskraft hat sich durch den Ethanolboom zusätzlich verschärft, neue Pflanzungen wurden angelegt. Am 14. Juni 2008 fand eine öffentliche Anhörung zu den schwierigen Arbeits- und Lebensbedingungen der cañeros – der Zuckerrohrarbeiter in Pradera statt (siehe dazu http://www.agrotreibstoffe.ch/Menschenrechtsverletzungen_Kolumbien.pdf).

Am 14. Juli 2008 präsentierten die Arbeiter einen Forderungskatalog und verlangen Verhandlungen darüber. Die einzelnen Zuckerfabriken (ingenios) und der Verband der Zuckerrohrproduzenten Asocaña zeigten bisher keinen Verhandlungswillen. Am 25. August 2008 fand eine Versammlung von über 7000 Arbeitern statt. Anlässlich dieser Versammlung wurde der Streik beschlossen. Seither ist die Region stark militarisiert und es gab willkürliche Entlassungen, Einschüchterungen und Drohungen durch staatliche Sicherheitskräfte sowie Todesdrohungen durch Unbekannte und durch paramilitärische Gruppen. Asocaña hat bisher die Verhandlungen noch nicht aufgenommen, obwohl sich selbst der Kongress der Republik Kolumbien eingeschaltet hat. Die Arbeiter stehen kurz davor, die Stunde Null des Streiks auszurufen.

Wir bitten Sie deshalb, die beiliegende Eilaktion mit Ihrem Namen und/oder Logo Ihrer Organisation versehen an untenstehende Adressen zu senden (Mail, Fax oder per Post). Wir entschuldigen uns für allfällige ungültige Faxnummern und Mailadressen, aber es ist sehr schwierig, funktionierende Adressen aufzutreiben.

Mit freundlichen Grüssen

Stephan Suhner

ask Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien
Fachstelle Bern
Postfach 5254
CH-3001 Bern
Tel. +41 31 311 40 20
Email fachstelle.bern @ askonline.ch [kein Hyperlink, bitte Adresse von Hand übernehmen]

URL www.askonline.ch

Adressen für die Eilaktion

Dr. Álvaro Uribe Vélez

Presidencia de la República

Carrera 8 # 7-26

Palacio de Nariño

Bogotá D.C

Fax (+57) (1) 5662071

auribe@presidencia.gov.co

Francisco Santos

Vicepresidente

fsantos@vicepresidencia.gov.co

fsantos@presidencia.gov.co

cefaro@presidencia.gov.co

ppdh@presidencia.gov.co

Dr. Volmar Antonio Pérez

Defensoría del Pueblo.

Calle 55 # 10 -32 Bogotá D.C

PBX: (+57) (1) 3147300

Procuraduría General de la Nación

webmaster@procuraduria.gov.co

cap@procuraduria.gov.co

Kolumbianische Botschaft

Dufourstrasse 47

3005 Bern

Fax: 031- 352 7072

eberna@cancilleria.gov.co

Kolumbianische Botschaft

Kurfürstenstraße 84
10787 Berlin
Fax: +49 (0) 30-26 39 61 25
E-Mail: info@embajada-colombia.de

Asocaña

A.A. 4448

Calle 58N # 3N-15 Cali - Colombia.

Fax: +57 (2) 6645888

Ingenio Mayaguez

Cra 100 No.11-90 of. 506
Cali - Colombia
Fax: +57 (2) 2611123

Ingenio del Cauca

Cra 9 No.28-103
Cali - Colombia
Fax: +57 (2) 4384909

Ingenio Central Castilla

Carrera 1 No.24-56
Cali - Colombia
Fax: +75 (2) 2606912

ventasingenio@riopaila-castilla.com

guicastro@riopaila-castilla.com

Thursday, 14 February 2008

Kolumbien, Glencore, Public Eye Award

© Neue Luzerner Zeitung; 30.01.2008; Seite 19 [http://www.nlz.ch]

Zuger Zeitung Aufschlag

Public Eye -- Rapper reden einem Rohstoffhändler ins Gewissen

Gimma und Greis sind nach Baar gereist, um der Firma Glencore eine Auszeichnung zu überreichen. Deren Chef ist nicht erfreut.

Sie haben sich gestern in Geduld geübt, ­ die beiden Schweizer Rapper Gimma und Greis. Ist ihnen sonst bei Auftritten ein jubelndes Publikum sicher, hat man sie in Baar warten lassen. Dabei wollten sie dem Management des Rohstoffhändlers Glencore gestern eine Auszeichnung überbringen. Sie hatten den Public Eye Award im Gepäck, ­ den Schmähpreis «für übles Firmenverhalten».

Schmähpreis aus Davos

Die Trophäe ist von den Nichtregierungsorganisationen Erklärung von Bern und Pro Natura ins Leben gerufen worden und wird seit vier Jahren am Weltwirtschaftsforum Davos verliehen. Das Baarer Unternehmen hat es in diesem Jahr getroffen, weil das Management skrupellos mit den Arbeitern in den kolumbianischen Kohleminen Carbones de la Jagua umgehe und deren Versuche, sich gewerkschaftlich zu organisieren, unterdrücke.

Ausserdem verursachten die Kohleminen massive Umweltverschmutzung und Gesundheitsschäden bei der Bevölkerung, kritisieren die Erklärung von Bern und Pro Natura. Seit langem versuchen Gewerkschafter aus Kolumbien mit der Geschäftsleitung in Baar in Kontakt zu treten, um ihre Kritik an oberster Stelle zu deponieren.

Gestern wurde mit Sergio Becerra Moreno erstmals ein Gewerkschafter in Baar empfangen. Glencore-Chef Ivan Glasenberg nahm sich eineinhalb Stunden Zeit für den Gewerkschafter aus Kolumbien und Stephan Suhner von der Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien [...]. «Ohne den Public Eye Award hätten wir vielleicht auch heute vor verschlossenen Türen gestanden», sagt Suhner. «Natürlich sind die Vertreter der Glencore bei der Meinung geblieben, dass alles gut läuft in Kolumbien. Wichtig ist aber, dass sie uns versprochen haben, gewissen Ungereimtheiten nachzugehen.» So berichten die Arbeiter in der Mine immer wieder, dass sie vom Wachpersonal auf dem Firmengelände bedroht werden und gerade Gewerkschaftmitglieder Angst haben. «Ich hatte bei den Gesprächen auch das Gefühl, dass die Firmenzentrale nicht über alles informiert ist, was das lokale Management macht», sagt Suhner. Ebenfalls Thema des Gesprächs war die Knappheit von sauberem Trinkwasser in den Dörfern um die Mine, die angeblich auch durch den Kohleabbau verursacht wird.

«In Haft oder auf der Flucht»

Laut Lotti Grenacher, Sprecherin der Glencore, bezahlt das Unternehmen die lokale Regierung für die Schürfrechte. «Dieses Geld wird aber nicht zur Verbesserung der lokalen Infrastruktur verwendet», relativiert Suhner. «Die letzten vier Bürgermeister der Stadt La Jagua sind entweder wegen Korruption in Haft oder auf der Flucht.» Die Glencore nutze ihren starken lokalen Einfluss nicht, um etwas gegen die Korruption zu tun. Grenacher widerspricht: «Wir finanzieren Krankenhäuser, Schulen und auch den Bau von Strassen in der Region.»

Während drinnen die Gespräche laufen, warten die Rapper draussen geduldig auf ihren Einsatz. Doch belohnt werden sie dafür nicht. Gimma hat sich fest vorgenommen, den Preis nur dem Firmenchef persönlich zu überreichen. Doch Ivan Glasenberg zeigt sich nicht. Gimma und Greis markieren Härte: «Wir kommen wieder.»

Nelly Keune
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[Mehr Informationen zum Thema auch bei ask! – Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien: http://www.askonline.ch ]

Thursday, 24 January 2008

Zum Besuch des kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe in der Schweiz

Meine Liebe, mein Lieber

Heute leite ich folgende Nachricht der Fachstelle Menschenrechte von ask – Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien weiter -- sehr lesens- und bedenkenswert!!!


Pressemitteilung

Zum Besuch des kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe in der Schweiz

Der kolumbianische Präsident Alvaro Uribe besucht zur Zeit Europa mit Regierungstreffen in Frankreich, Brüssel und der Schweiz und nimmt auch am Wirtschaftsforum in Davos teil.

Die Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien ask weist anlässlich dieses Besuches von Präsident Uribe auf folgende Punkte hin:

Obwohl Präsident Uribe den internen bewaffneten Konflikt in Kolumbien leugnet, ist der grösste Teil des Budgets 2008 für den Krieg bestimmt: 65% aller staatlichen Investitionen fliessen in die Armee und 81,2% aller Staatsbeamten sind Angestellte staatlicher Sicherheitsdienste.[1]

Die Konsequenzen des internen bewaffneten Konfliktes auf die Zivilbevölkerung sind verheerend: Kolumbien zählt 4 Mio. interne Vertriebene – Flüchtlinge im eigenen Land – und weist eine erschreckend hohe Zahl von Getöteten ausserhalb von Kampfhandlungen auf. Mehrere Tausend Personen wurden gewaltsam zum Verschwinden gebracht.

In den ersten vier Jahren der Regierung Uribe (2002-06) waren die Guerillagruppen für 25% dieser Morde verantwortlich (1'591 Opfer); die Paramilitärs – in offener Verletzung des Waffenstillstandes – waren für 61% (3'907 Opfer) und die Armee für 14% (908 Opfer) verantwortlich. Das heisst, dass 75% aller Morde ausserhalb von Kampfhandlungen durch die Armee und die mit ihr verbündeten paramilitärischen Verbände verübt wurden.[2]

Die ask verurteilt die schweren und permanenten Verletzungen des Humanitären Völkerrechts durch alle bewaffneten Akteure – Guerilla, Armee und Paramilitärs.

Die ask verurteilt die schweren Verletzungen des Humanitären Völkerrechts durch die Guerilla, so die Ermordung, Entführung von Zivilpersonen, die Rekrutierung von Minderjährigen und den Einsatz von Personenminen. Die ask betont, dass die Guerillagruppen als Konfliktparteien zur Respektierung des Humanitären Völkerrechtes verpflichtet sind und für dessen Verletzungen zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Die ask verlangt die sofortige und bedingungslose Freilassung aller Entführten durch die Guerilla.

Die dramatische Situation der Opfer des internen bewaffneten Konfliktes in Kolumbien – wovon das Drama der Entführten ein wichtiger Teil ist – verlangt die Aufmerksamkeit aller. Die ask verurteilt die Instrumentalisierung des Schmerzes der Opfer für politische Zwecke, egal von welcher Seite.

In Kolumbien herrscht praktisch eine totale und strukturelle Straflosigkeit. Menschenrechtsvergehen werden nicht geahndet. Die aktive, systematische und historische Mitbeteiligung zahlreicher Politiker und Parlamentarier von Parteien, welche Präsident Uribe unterstützen, von Regierungsbeamten, von breiten Kreisen der Armee und von Geheimdienstchefs bei Verbrechen der Paramilitärs müssten jede rechtsstaatliche Regierung zu einem exemplarischen Kampf gegen die Straflosigkeit verpflichten. Doch wir beobachten, wie die Regierung Anstrengungen und Erfolge des Obersten Gerichtshofes im Kampf gegen die Straflosigkeit mit äusserster Feindseligkeit begegnet. ZeugInnen, die gegen Chefs der Paramilitärs aussagen, werden systematisch eingeschüchtert und haben keinerlei Garantien. Mehrere Zeugen, die trotzdem aussagten, wurden ermordet.

Wir rufen die internationale Gemeinschaft und insbesondere die Schweizer Regierung auf:

Von der kolumbianischen Regierung und allen bewaffneten Akteuren die sofortige und vollständige Umsetzung der Menschenrechts-Empfehlungen der UNO zu verlangen.

Die zivilgesellschaftlichen Initiativen zur Stärkung des Rechtsstaates, zu einer politischen Verhandlungslösung des bewaffneten Konfliktes und für den Aufbau eines stabilen, dauerhaften und gerechten Friedens mit sozialer Gerechtigkeit und einem funktionierenden Rechtsstaat zu unterstützen und zu stärken

Die Verhandlungsbemühungen für ein humanitäres Abkommen und zur Aufnahme von Friedensverhandlungen im Rahmen des Internationalen Rechtes zu intensivieren.

Luzern, 24. Januar 2008 Arbeitsgruppe Schweiz–Kolumbien ask

Bruno Rütsche

Für Auskünfte und nähere Informationen:

Arbeitsgruppe Schweiz – Kolumbien ask, Bruno Rütsche, Tel. 041 210 64 68,
mail:
fachstelle.luzern[at]askonline.ch

Internet: www.askonline.ch



[1] Quelle: Portafolio 14. August 2007 El Tiempo, zitiert von José Fernando Isaza Delgado und Diógenes Campos Romero in Algunas consideraciones cuantitativas sobre la evolución del conflicto en Colombia, Dezember 2007

[2] Kolumbianische Juristenkommission, Colombia 2002-2006: Situación de derechos humanos y derecho humanitario, Seite 3

Tuesday, 8 January 2008

Kolumbien: Was wir von hier aus tun können...

Liebe Leute

Zu allererst: Ganz herzlich gute Wünsche fürs noch junge Jahr 2008! Möge es uns allen Friede, Freude und gute Gesundheit bringen. Natürlich wünsche ich dies nicht nur uns hier in Europa und der Schweiz, sondern ganz besonders all jenen Menschen, die von ihren Regierungen, von paramilitärischen Kräften, Rebellenverbänden oder von ganz "schlichten" Verbrecherbanden drangsaliert werden.

Hier eine Idee, wie wir in der Schweiz konkret Druck auf eine Firma setzen können, die sich bisher ziemlich feige taub gestellt hat:

Mitte März 2007 hat sich die grosse US-Bananenfirma Chiquita mit den US-Justizbehörden auf die Zahlung eines Strafgeldes von 25 Millionen US-Dollar geeinigt, denn Chiquita hat zugeben müssen, zwischen 2001 und 2004 rund US-$ 1,7 Mio. an die Paramilitärs gezahlt zu haben. Die Zahlungen – sogenannte "Schutzgelder" - waren allerdings schon seit 1997 erfolgt, wurden aber in den USA erst ab 2001 strafbar, als die Paramilitärs im Nachgang zu 9/11 auf die Liste von terroristischen Organisationen gesetzt wurden.

Inzwischen haben auch Opfer Klagen eingereicht.

Was jedoch bei den oben erwähnten Verhandlungen nicht thematisiert wurde, aber gesichert feststeht, ist die Tatsache, dass Chiquita in einen grossen Waffendeal mit den Paramilitärs verwickelt war und mindestens ihre Infrastruktur dafür zur Verfügung stellte, z.B. indem die leeren Bananenschiffe mit Waffen und Munition beladen nach Kolumbien zurück gefahren sind und der grosse Hafen von Chiquita an der kolumbianischen Pazifikküste als Umschlagplatz diente.

Nun ist die Migros der grösste Handelspartner von Chiquita in der Schweiz. Rund die Hälfte der Bananen in Migros-Gestellen tragen das Chiquita Label.

Eine kleine, aber wichtige Nichtregierungsorganisation (NRO), die ask–Arbeitgruppe Schweiz-Kolumbien, hat daher Migros angefragt, wie sie die weitere Zusammenarbeit mit Chiquita mit ihren Firmengrundsätzen (sozial-ökologisch, Mitglied des Global Compact) vereinbaren kann, und Migros aufgefordert, ganz auf Max-Havelaar Bananen zu setzen und ihre Zusammenarbeit mit Chiquita zu überprüfen. Die Migros ist jedoch zu keinerlei Dialog bereit und hat völlig nichtssagende Antworten gegeben, die absolut unbefriedigend sind.

Aufgrund der Bedeutung von Migros als wichtigstem Detailhändler, ihrer Geschichte und ihrer sozialen Verantwortung scheint es nicht nur der ask wichtig, dies auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Ich veröffentliche diese Angaben auf meinem Blog mit dem Einverständnis der ask.

Ich überlasse es gerne der Leserin, dem Leser dieses Blogs, ihre und seine eigenen Schlüsse zu ziehen und auf den Kauf von Chiquita-Bananen zu verzichten (die übrigens nicht nur in Migros-Gestellen liegen). Persönlich kaufe ich schon lange nur noch Max-Havelaar-Bananen.

Alle Informationen, auch den Briefwechsel zwischen ask und Migros, befinden sich unter http://www.kolumbien-aktuell.ch/aktuell.htm

Tuesday, 11 September 2007

Glencore-Geschäftsgebaren u.a. in Kolumbien - http://www.trend.drs.ch

Der heutige Radio-Tipp -- Radio DRS 1: «Trend - Das Wirtschaftsmagazin»

(Un-)heimliche Glencore AG


[Trend, 08. September 2007, 08.30-08.45 h, DRS 1]

Online Aufhänger:

Was unter Marc Rich als Rohstoffhändler begann, hat sich unter der Firmenbezeichnung «Glencore» zum weitaus grössten Schweizer Unternehmen mit Niederlassungen auf allen Kontinenten entwickelt. «Glencore» ist der verschwiegenste unter allen europäischen Grosskonzernen. Wenn der Rohstoffmulti dennoch von sich reden macht, dann wegen Streiks, Entlassungen oder Verstaatlichungen in Lateinamerika.

«Trend» berichtet über den auf Diskretion bedachten Rohstoffgiganten aus Baar bei Zug.
[Eine Sendung von] Rainer Borer

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SENDUNG [Transkript: Margaret Powell]

"Nuestra respuesta es, primero queremos saber quién es Glencore" – "Zuerst möchten wir wissen, wer ist Glencore?" In Bolivien wurde eine Glencore-Mine verstaatlicht. Über Entschädigungen sprechen will der Bolivianische Handelsbeauftragte Pablo Solón jedoch erst, wenn er weiss, wer hinter der in Baar bei Zug domizilierten Rohstoffgesellschaft steckt, dem notabene vom Umsatz her grössten Unternehmen der Schweiz. In der Zentrale des verschlossenen Rohstoffhändlers und Minenbesitzers in Baar stellt man sich taub; Interviews gibt man nicht. – Glencore und die heimlichen – oder vielleicht gar unheimlichen? – Geschäfte: Thema heute im Trend. Am Mikrophon: Rainer Borer.

Glencore International ist der grösste unter den Schweizer Konzernen. Der Rohstoffmulti übertrifft umsatzmässig bei weitem sogar den Nahrungsmittelgiganten Nestlé, und mit Riesenschritten weiten die Baarer Rohstoffähndler ihr Imperium aus. In nur zwei Jahren haben sie ihren Umsatz verdoppelt. Und das ist schon fast alles, was der geheimnisumwitterte Konzern Glencore der Öffentlichkeit preisgibt.
Markus Mugglin hat sich auf Spurensuche gemacht und stellte fest, dass Glencore auf der ganzen Welt mehr von sich reden macht, als dem Unternehmen recht sein kann.

Markus Mugglin:
Das Deutsche Managermagazin publizierte im Frühjahr sein neuestes Good Company Ranking über die 120 grössten Konzerne Europas. Die Rangliste bewertet, wie rentabel, sozial und zugleich umweltbewusst die Unternehmen sind. Renommierte Konzerne schmücken die ersten Plätze: das Pharmaunternehmen BASF, der deutsche Waschmittel- und Kosmetikkonzern Henkel und die britische Anglo-American.
Die Grossbank UBS folgt als erstes Schweizer Unternehmen an sechster Stelle. Ins vorderste Drittel der geprüften Unternehmen bringen es auch Roche und Nestlé. Ganz am Schluss der Good Company Rangliste steht Glencore. Der Rohstoffmulti aus Baar bei Zug erhielt von allen 120 die schlechtesten Zensuren. Von maximal 100 Punkten schafft Glencore gerade mal 1,5 – noch deutlich weniger als Aldi und Lidl, die unmittelbar davor rangieren.
Klaus-Rainer Kirchhoff von der gleichnamigen Consulting-Firma, der die Untersuchung zusammen mit dem Beratungsunternehmen Deloitte im Auftrag des Manager-Magazins durchführte, begründet, weshalb Glencore schlechter als alle anderen abschneidet:
KRK am Telefon: "Wir haben für die Auswertung und Bewertung der Unternehmen alle verfügbaren Quellen herangezogen und zusätzlich die Unternehmen angeschrieben und darum gebeten, dass sie uns darüber hinausgehend Material zur Verfügung stellen. Wir haben von Glencore nichts erhalten, und das was in der Öffentlichkeit zugänglich ist, ist völlig aussagelos. … Wir haben deshalb zu den entscheidenden Fragen und Kriterien keine Informationen gefunden. Das ist der Grund, weshalb das Unternehmen ganz unten gelandet ist. …"
Abgeschlagen auf Platz 120. Wie reagiert man in der Glencore-Zentrale auf das vernichtende Urteil? Darüber hätten wir gerne mit den Verantwortlichen in Baar gesprochen. Doch zum Gespräch kam es nicht. Glencore teilte lediglich per Mail mit: "Glencore ist ein privat gehaltenes Unternehmen und nicht verpflichtet, öffentlich Bericht zu erstatten."
Klaus-Rainer Kirchhoff lässt diesen Grund nicht gelten: Viele andere, nicht an der Börse kotierte Unternehmen gäben Einblick in ihr Geschäftsgebaren und sähen ein, dass sie unabhängig von ihrer Rechtsform und Eigentumsverhältnissen gegenüber der Öffentlichkeit rechenschaftspflichtig seien:
KRK: "Ein Unternehmen, was so bedeutsam ist, was indirekt und direkt über 50'000 Menschen beschäftigt, hat einfach auch eine Verantwortung, Transparenz zu schaffen, Vertrauen zu schaffen, Akzeptanz zu schaffen, und dem kommt dieses Unternehmen überhaupt nicht nach."

Glencore war lange Zeit nur Rohstoffhändler. Seit ein paar Jahren investiert das Unternehmen aber massiv in die Rohstoffproduktion. Es produziert Rohöl und Kohle und baut Kupfer, Zink, Nickel und weitere Metalle ab. Das aus dem Steuerparadies Zug dirigierte Unternehmen hält Beteiligungen auf allen Kontinenten, ist in einem Dutzend Länder präsent und beschäftigt weltweit 50'000 Personen, allein in Kasachstan 20'000. In Südamerika und Afrika stehen je rund 10'000 im Solde des Rohstoffmultis.
Doch die Expansion ins Minengeschäft bringt Glencore wiederholt in Konflikt mit Einheimischen – in Bolivien zu Beginn des Jahres gar mit der Regierung. Boliviens Präsident Evo Morales nationalisierte per Dekret das Erzschmelzwerk von Glencore – offizielle Begründung: Glencore habe das Werk nicht rechtmässig erworben. Das Zuger Unternehmen bestreitet das und fordert, nach der Enteignung zumindest entschädigt zu werden. Bolivien will nicht darauf eintreten. Man wolle klären, unter welchen Umständen Glencore das Schmelzwerk gekauft habe, bevor über eine Kompensation verhandelt werde, gibt der Handelsbeauftragte der bolivianischen Regierung, Pablo Solón, zu verstehen:
PS: "Antes de hablar de cualquier indemnización, primero tenemos que esclarecer la verdad. Porque no puede haber indemnización sobre la base de hechos absolutamente obscuros."
Und eine Kompensation könne es nur geben, sofern der Kauf der Mine rechtmässig erfolgt sei.

Nicht nur in Bolivien, auch anderswo kam es in Niederlassungen von Glencore und des Rohstoffkonzerns Xstrata, an der Glencore ein Drittel hält, zu Konflikten: In Peru, in Argentinien, in Sambia, und vor allem in Kolumbien. Mal waren es Arbeitskonflikte mit Entlassungen und Streiks, andere Male gab es Streit mit der lokalen Bevölkerung.
Stephan Suhner von der Arbeitsgruppe Kolumbien-Schweiz [sic, sollte eigentlich Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien heissen] hielt sich während eines Monats im Norden von Kolumbien auf, wo er in La Jagua Zeuge eines Arbeitskonflikts in der von Glencore kontrollierten Kohlemine wurde:
StS: "Am Tag als wir in Kolumbien angekommen sind, hat eine Tochterfirma von Glencore 117 Arbeiter entlassen. Das waren Arbeiter einer Temporärfirma. Deren Vertrag wurde von einem Tag auf den andern aufgekündigt ohne Angabe von genauen Gründen. Die entlassenen Arbeiter haben dann einerseits die Zugänge zur Mine blockiert, andererseits haben 30 Arbeiter innerhalb der Mine protestiert."
Der Konflikt eskalierte, kolumbianische Sicherheitskräfte gingen gewaltsam vor, Menschen wurden verletzt. Schliesslich hat das Unternehmen einen Teil der Belegschaft wieder eingestellt. Über das Schicksal der übrigen Arbeiter wird noch verhandelt.

Stephan Suhner reiste als Mitglied einer internationalen Delegation nach Kolumbien, die sich für die Rechte indigener Einwohner und für menschenwürdige Arbeitsbedingungen in den Minen einsetzt. Seit Jahren engagieren sich Nichtregierungsorganisationen aus mehreren Ländern dafür, und legen dabei ein besonderes Augenmerk auf das Verhalten der multinationalen Konzerne aus den USA, aus Australien, und auch von Glencore. Der Schweizer Multi ist in Kolumbien vor 11 Jahren ins Bergbaugeschäft eingestiegen:
SS: "Glencore hat 1996 ein Handelsunternehmen aufgekauft, das auch Beteiligungen an Kohlenminen hatte, war dann während mehreren Jahren beteiligt an der grössten offenen Kohlenmine im Norden Kolumbiens, in El Cerrejón, und hat 2004 begonnen, vier weitere kleinere Kohlenminen im Nachbardepartement aufzukaufen und ist jetzt … im Kohlensektor relativ gut positioniert."

Der Aufstieg von Glencore zum wichtigen Kohleproduzenten war begleitet von Konflikten. Dorfgemeinschaften wurden vertrieben und zerstört. Es wurden zwar Entschädigungen angeboten, doch sie reichten meist nicht aus, eine neue Existenz aufzubauen. Eingeborene wehrten sich, wollten nicht weichen, wurden gewaltsam vertrieben, es gab Verletzte und gar Tote. Und noch mehr Ungemach droht, denn Kolumbien will in Kürze zum weltweit drittwichtigsten Kohleanbieter aufsteigen. Der Begbau wird noch mehr Böden beanspruchen. Für das Land bedeutet das hohe Deviseneinnahmen, weshalb ausländische Investoren hoch willkommen sind.

Der lokalen Bevölkerung bringt der Kohleboom allerdings wenig, hat Stephan Suhner bei seinem jüngsten Aufenthalt in der Bergbauregion erneut feststellen müssen:
SS: "Das Dorf, wo Glencore die Mine betreibt, ist etwa das zweit- oder drittreichste Dorf Kolumbiens, nur sieht man davon nichts. Das Dorf ist so arm wie jedes andere Dorf in Kolumbien: kein Trinkwasser, der Strom geht immer wieder weg, die Kindersterblichkeit ist enorm hoch, Umweltbelastung – es sind Dörfer, die mitten im Reichtum existieren, aber selber total arm sind und [wo] die Korruption eigentlich alle Gelder wegfrisst."

Da verwundert es nicht, dass die lokale Bevölkerung und die Mineure unzufrieden sind, immer wieder aufbegehren und versuchen, Bergbaukonzerne wie Glencore unter Druck zu setzen. Doch die Arbeiter und ihre Gewerkschaften haben das gleiche Problem mit Glencore wie Journalisten oder Unternehmensberater, die mehr über die Geschäftspolitik des Rohstoffunternehmens wissen möchten. Das hat Stephan Suhner bei seinem jüngsten Aufenthalt in Kolumbien erneut erfahren:
SS: "Die Arbeiter beschweren sich darüber, dass sie mit Glencore selbst noch gar nie gesprochen haben, dass Glencore für sie kein Gesicht hat. Aber man weiss natürlich, dass Marc Rich einer der Gründer war, und sie haben ein relativ schlechtes Bild von Glencore, ohne die Firma wirklich zu kennen."

Stephan Suhner ist einer der wenigen Aussenstehenden, dem vergönnt war, mit Glencore-Verantwortlichen reden zu können. Er hat in Kolumbien lange um ein Gespräch gebeten – vergeblich, hat er bereits gedacht. Doch am Tag vor seiner Abreise wurde er doch noch empfangen:
SS: "Ich war darüber sehr überrascht. Ich hatte es nicht erwartet. Die beiden Personen haben sehr betont, dass sie neu in der Region sind, dass sie die Sachen besser machen wollen. Sie haben versprochen, mehr Leute direkt einzustellen, zu besseren Bedingungen. Sie wollen soziale Institutionen fördern in der Region. Also in dem Sinn, wenn man sie mal beim Wort nehmen möchte, sehr positiv."
Doch ob es mehr als nur Versprechen sind, wird sich weisen. Stephan Suhner hofft es, bleibt aber skeptisch. Er wird jedenfalls genau beobachten, wie es weitergeht – als Sekretär der Arbeitsgruppe Kolumbien-Schweiz [sic] und zusammen mit NROs aus den USA und anderen Ländern. Und bricht in Kolumbien der Streit wieder aus, werden sie wieder protestieren und öffentlich Druck machen und versuchen, den Arbeitern Rückhalt zu geben.

Doch zurück in die Schweiz: Hier, in der Glencore-Zentrale in Baar, gelten wieder die bekannten Verhaltensregeln. Dem Journalisten war es nicht vergönnt, mit Glencore-Vertretern zu reden. Per Mail wurde ihm nur beschieden: "Nach unserer Meinung haben die Unternehmen die Verantwortung, richtig zu handeln, anstatt über Verantwortung zu berichten."

Das befriedigt nicht nur den Berichterstatter nicht. Auch Klaus-Rainer Kirchhoff von der Kirchhoff-Consulting erwartete mehr von einem bedeutenden Rohstoffkonzern, wie Glencore einer ist:
KRK: "Was den Umgang mit den Mitarbeitern angeht, was die Wahrnehmung von gesellschaftlicher Verantwortung angeht, was den Bereich Umwelt angeht, da ist es eigentlich relativ egal, ob ein Unternehmen an der Börse ist oder nicht. Es hat darüber Rechenschaft abzulegen, und es hat da auch Verantwortung zu übernehmen."
Doch, ob der Appell in der Zentrale gehört wird? Man wird es sehen, wenn sich Klaus-Rainer Kirchhoff zusammen mit seinen prominenten Juri-Mitgliedern, wie dem langjährigen ehemaligen Nestlé-Chef Helmut Maucher und dem ehemaligen Chef des UNO-Umweltprogramms, Klaus Töpfer, daran macht, sein nächstes Good Company Ranking zu erstellen.

Man kann gespannt sein, ob Glencore auch dann wieder, weniger als alle anderen Grosskonzerne Europas, in seine Geschäftsbücher und Praktiken blicken lässt.

Absage: Der heimliche Rohstoffriese Glencore und sein unheimliches Geschäftsgebaren – das war der Beitrag von Markus Mugglin.
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Zur Zeit zu hören auf http://www.trend.drs.ch

Friday, 10 August 2007

Kolumbien, La Jagua: Protest gegen Glencore droht mit Gewalt gelöst zu werden

Liebe FreundInnen

Heute muss ich Euch/Dir eine dringenden Aufruf zum Protest weiter leiten, den ich soeben aus Kolumbien erhalten habe. Bitte schreibt höfliche, aber bestimmte Protestbriefe. Danke!

Kolumbien, La Jagua: Protest gegen Glencore

Ein schon länger schwelender Arbeitskonflikt in der Kohlenminen in La Jagua droht in Gewalt zu eskalieren.

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Marianne Aeberhard (Attac, MultiWatch) und Stephan Suhner (ASK, MultiWatch) besuchten am 6. und 7. August 2007 die Region um die Kohlenminen in La Jagua im Departement Cesar in Kolumbien. Glencore besitzt in La Jagua verschiedene Minen, die zum Teil von Temporärfirmen und Stellenbörsen betrieben werden.

Zwischen Februar und Maerz 2007 gelang es den Arbeitern der Stellenbörse CMU, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Wie schon bei früheren Gelegenheiten unternimmt Glencore alles, um Gewerkschaften in ihren Minen zu verhindern. Deshalb wurden am 1. August 2007 ca. 120 Arbeiter entlassen. Dies war die vierte Entlassungswelle in den letzten 12 Monaten, in welchen insgesamt fast 400 Arbeiter ihren Arbeitsplatz räumen mussten. Von den aktuell entlassenen Arbeitern befinden sich 29 aus Protest noch immer in der Mine. Zu Beginn hatte das Unternehmen verhindert, dass den Arbeitern Wasser und Lebensmittel gebracht werden konnte. Dem Roten Kreuz und staatlichen Kontrollinstanzen wurde der Zugang ebenfalls verwehrt. Ausserdem wurde den Arbeitern der Strom abgestellt, damit sie nicht mit der Aussenwelt kommunizieren konnten. Erst nach zwei Tagen wurde der Kontakt mit den Arbeitern wieder erlaubt. Gleichzeitig befinden sich bei allen Eingängen zur Mine weitere Arbeiter sowie deren Frauen und Kinder in einem friedlichen Protest.

Wir haben am 6. August 2007 mit den protestierenden Arbeitern und Familien gesprochen. Sie haben uns berichtet, dass das Vorgehen bei den Entlassungen nicht nach dem gesetzlich vorgeschriebenen Prozedere verlief. Über die Gründe der Entlassung besteht keine Klarheit. Die meisten Entlassenen waren seit 10 oder mehr Jahren in dieser Mine beschäftigt.

Aus den Gesprächen mit den Arbeitern konnten wir folgende Forderungen heraushören:
- Recht auf Arbeit und Wiedereinstellung
- Direktanstellung mit Glencore und nicht mehr über Temporärfirmen
- Gleicher Lohn wie in den umliegenden Minen von Drummond
- Keine Repression gegenüber der Gewerkschaft resp. Sicherheitsgarantien

Seit Tagen befürchten die Prostestierenden eine gewaltsame Räumung durch staatliche Sicherheitsorgane. Diese Befürchtungen beruhen u.a. auf der Erfahrung vom Februar dieses Jahres, als ein friedlicher Protest der BewohnerInnen von La Jagua gewaltsam unterdrückt wurde und ein Todesopfer forderte.
Gestern Abend haben wir von Senator Robledo vom Polo Democratico erfahren, dass die gewaltsame Räumung des Protestes unmittelbar bevorsteht.

Wir machen uns grosse Sorgen um die Sicherheit und Gesundheit der Arbeiter und deren Familienangehörigen.

Wir fordern von den kolumbianischen Behoerden, auf jegliche Gewaltanwendung und auf Repression zu verzichten und sich für eine gerechte Loesung für diese Arbeiter einzusetzen.

Wir forden von Glencore, ihre Verantwortung als Besitzerin dieser Mine wahrzunehmen, die Arbeiter mit direkten Verträgen wieder einzustellen und deren Rechte umfassend zu garantieren. Insbesondere erwarten wir von Glencore ein klares Bekenntnis gegen eine gewaltsame Lösung des Arbeitskonfliktes.

Wir bitten Euch/Sie, Protestbriefe an Glencore und die kolumbianische Regierung zu senden. Dazu können Sie/könnt Ihr folgende Adressen verwenden:

Glencore International AG
Lotti Grenacher
Baarermattstrasse 3
CH-6340 Baar
Switzerland
Fax: 0041 41 709 3000
E-mail info@glencore.com

Kolumbianische Botschaft
Dufourstrasse 47
3005 Bern
Fax: 0041 31 351 17 00
Correo: eberna@minrelext.gov.co

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Wednesday, 17 January 2007

Zuger Firma unterstützt gnadenlosen Kohleabbau in Kolumbien

Der schweizerische Minenkonzern Xstrata Plc (vorher Glencore AG) besitzt einen Drittel vom kolumbianischen Konzern Carbones del Cerrejón im Departement Guajira, mit 69'000 Hektaren der weltweit grösste Kohlenpott im Tagbau. Der Kohleabbau hat aber seinen Preis: seit Beginn des Abbaus wurden immer wieder ganze Siedlungen von Afrokolumbianern und Indianern geräumt.

Siedlungen werden geräumt

Im August 2001 wurde das Dorf Tabaco gewaltsam geräumt, viele der Betroffenen sind traumatisiert und haben keine oder nur sehr geringe Entschädigungen für ihren gesamten Besitz erhalten. Weiteren Siedlungen droht ein ähnliches Schicksal: Sie müssen in den nächsten ein bis vier Jahren der Mine weichen. Den BewohnerInnen wird schon heute der Zugang zu ihrem Land durch Strassensperren verunmöglicht, die Stromversorgung wird häufig unterbrochen, und Arbeit ist rar. Hinzu kommen gesundheitliche Beschwerden wie Hautausschläge und Atemwegserkrankungen.

Massaker ungeklärt

Immer noch ungeklärt sind die Hintergründe des schweren Massakers an Wayúu–Indianern vom 18. April 2004 in Bahía Portete, bei dem 13 Frauen und Kinder von Paramilitärs brutal ermordet wurden. Es wird geschätzt, dass daraufhin zwischen 1000 und 3000 Wayúu-Indianer nach Venezuela flüchteten. Bahía Portete liegt in unmittelbarer Nähe des Hafens Puerto Bolívar, wo die Kohle verschifft wird, und es bestehen Pläne, in Bahía Portete einen Kohlehafen zu bauen. Verschiedene NGO sehen einen klaren Bezug zwischen dem Massaker und den Hafenplänen.

Zwischen dem 17. und 25. Januar 2007 werden zwei Betroffene aus Kolumbien in der Schweiz Vorträge zum Kohleabbau in der Guajíra halten. Organisiert wird diese Vortragsreihe von der Arbeitsgruppe Schweiz - Kolumbien.

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